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Kingsborough

 

 

CD Review "1544" von Markus Kerren von Rocktimes

In Sachen Roots Rock werden die Fans dieses Genres in den letzten Monaten ja regelrecht verwöhnt. Ob Soloalben von John Fogerty oder dem großartigen neuen Release der High Line Riders (um nur mal zwei Protagonisten zu nennen), da wird gerade einiges geboten. Auch von der Band Of Heathens wird neues Material angekündigt, was mich – da Label-Kollegen – zu der vorliegenden Scheibe "1544" bringt. Diese stammt von der aus der Bay Area um San Francisco kommenden Band Kingsborough. Gegründet von dem Gitarristen und Sänger Billy Kingsborough, haben wir es hier mit einem klassischen Rock-Quartett, bestehend aus zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug zu tun. Je länger man sucht, desto verwirrender wird hingegen, um das wievielte Album es sich bei dem aktuellen Werk eigentlich handelt, sicher ist nur, dass es kein Debüt sein kann. Und was hat es eigentlich mit dem Album-Titel auf sich?

Okay, diese Frage ist schnell gelöst, denn es handelt sich dabei ganz lapidar um die Hausnummer der vier Wände, in denen die gesamte Band für etwa zwei Jahre wohnte und komponierte. Wobei sich der Zeitaufwand durchaus gelohnt hat, wie man an absoluten Klasse-Songs wie etwa "Low Down" oder auch "Wild Ones" sehr schnell erkennen kann. Dabei würzen die vier Amerikaner die hier enthaltenen zehn Titel mit sehr starken und eingängigen Gesangslinien, fügen hier und da mal eine heavy bzw. fast schon fuzzige Gitarre hinzu. Billy Kingsboroughs Gesang driftet zeitweise gar in den Soul ab, was ihn mit Chris Robinson (The Black Crowes, Chris Robinson Brotherhood) verbindet. Selbst, wenn man die beiden nicht wirklich miteinander vergleichen kann, der Ansatz der Musik ist derselbe.

Mit einer leichten Prise Psychedelic ist "Hard On The Heart" versehen, was der Band ebenfalls sehr gut zu Gesicht steht. Dabei schafft sie es nämlich, trotz einer träumerischen Szenerie eine gesunde Power umzusetzen, was ein sehr gelungenes Spannungsfeld kreiert. Am meisten nach den Black Crowes klingen Kingsborough bei "No More", während die Strophen von "Right On Time" doch deutlich von dem Beatles-Stück "Come Together" eingefärbt sind. Macht aber alles nix, da der Vortrag sehr sympathisch rüber kommt und Kingsborough die jeweiligen Titel dann doch wieder zu ihren eigenen wandeln. "Percy" macht mit seinen feinen Gitarren-Licks, rollenden Drums und dem extrovertierten Gesang gleich zu Beginn klar, wo die Reise mit "1544" hingehen wird. "Something Strange" wird durch verfremdete Vocals und ’schwere' Gitarren-Riffs eingeleitet, wobei die vier Musiker bei der Bridge und dem Refrain ihre Stärken (effektive Breaks und eingängiger Gesang) wieder voll ausspielen.

Aber Kingsborough können es auch langsamer, wie der ruhigste Track "Wild Ones" deutlich macht. Sehr einfühlsam agiert der Bandleader hier vor dem Mikro, während er seine Ballade auf all die 'jungen Wilden' anstimmt, die zwar ein wahnsinnig intensives und aufregendes Leben führen, dadurch oft aber auch einen viel zu frühen Tod finden. Ebenso grandios ist das Riff sowie der umwerfende Refrain des sehr zurückhaltend beginnenden "Low Down". Außer den beiden Letztgenannten empfehle ich als Anspieltipps noch den ungewöhnlichsten, da überraschende Wendungen nehmenden, Song der Scheibe, "Where I Belong", das sehr heavy (aber nicht nach Metal) klingende "Subtle Lies" sowie den Rausschmeißer "Before Long", der das Album mit einem geradeaus gehenden und genau zwischen die Lichter zielenden Roots-Rocker beschließt.

Im Oktober und November 2018 werden Kingsborough in Europa auf Tour sein und wenn "1544" keine erstklassige Visitenkarte bzw. Einstimmung dafür ist, dann weiß ich auch nicht mehr weiter. Sollte man als (Roots-) Rock-Fan auf dem Plan haben!
Line-up Kingsborough:

Billy Kingsborough (guitars, lead vocals)
Alex Leach (guitars, background vocals)
Chris Magione (bass, background vocals)
John Whitney (drums, background vocals)

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